Montag, 3. September 2007

Und es ward Licht!

Da bin ich wieder! Und es gibt gute Neuigkeiten: ich hab's getan - ich bin umgezogen!
Warum? Nun, von meinem alten Zimmer hab ich ja bereits ausführlich berichtet. Folglich hat die kommunikationsmäßige Flaute in dem sogenannten Goshiwon und die tote Hose im 5min-Fußweg-Bequemlichkeitsradius um selbiges nun angefangen, leichte depressionsähnliche Gefühle in mir zu wecken. Hinzu kommt, dass die Straße vor meiner Luftluke gerade aufgerissen wird, was ja an sich kein Problem wäre, wenn die Bauarbeiter nicht erst um 9 Uhr anfangen würden zu arbeiten - abends! Also habe ich mein Schicksal selbst in die Hand genommen und bin kurzerhand von heut auf morgen (genauer: von gestern auf vorgestern) umgezogen!

Und zwar nach Sinchon - DEM Studentenviertel schlechthin. Durch einen Tip bin ich im Hasukviertel gelandet. Ein Hasuk ist eine Art private Pension, die von einer "Ajuma" (vergleichbar einer russischen "babushka") geführt und überwiegend von Studenten bewohnt wird. Im Monatspreis von rund 500$ sind Frühstück, Abendessen, DSL und Kabel-TV mit inbegriffen. Wobei es morgens und abends das Gleiche gibt. Zum Frühstück Reis, Fisch und Kimchi (in Chilisauce eingelegter Kohl) - lecker!! Da lob ich mir meine Coke zum Wachwerden:)
Nach nur einem Tag kenne ich auch mittlerweile fast die gesamte Belegschaft, die sich von einem Thai-Mädchen über einige Japaner hin zu ein paar - wer hätte es gedacht - Koreanern erstreckt; die meisten mit konversationstauglichem Englisch und - ja!, im Gegensatz zu ihren Vorgängern - alle mit sozialer Kompetenz ausgestattet. Heute gab es nämlich nach gemeinsamem Abendbrot bei den Japanern eine Vorstellungsrunde mit Donuts und Instantkaffee.
Das Hasuk selbst ist ein 6-stöckiges Gebäude mit der Gemeinschaftsküche im obersten Stock und meinem Zimmer im dritten. Und das Beste daran: mein NEUES FENSTER! Jetzt auch mit Ausblick!



Zwar brauch ich jetzt eine Dreiviertelstunde zur Arbeit, dafür komme ich jeden Morgen in den Genuss, in der U-Bahn noch ein bisschen schlafen zu können ohne dass ich Angst haben müsste umzufallen. Lediglich die 3 Ellenbogen in meinem Bauch stören ein wenig.
Aber das Viertel ist es auf jeden Fall wert. Ich brauche quasi nur aus meiner Haustür zu stolpern um in einer der unzähligen Bars und Restaurants zu landen. Erwähnt sei hier im Besonderen die Fantasybar, in der das Bier im 3-Liter-Pitcher mittels Trockeneis zum Dampfen gebracht wird und die anlässlich von Geburtstagen ein Blitzlichtgewitter auslöst bei dem jedem Epileptiker das Herz höher schlagen würde. Koreaner stehen auf sowas. Ich finds lustig! :D



Das auf dem Bild ist Johannes. Johannes kommt aus dem StudiVZ. Genau wie Sarah. Und Fabian. Allesamt sind sie Praktikanten in Seoul und zusammen haben wir das Wochenende ausgiebig zur Erkundung meiner neuen Heimat genutzt. Unzählige Pitcher (2- bis 3-Liter-Krüge) Bier und Kiwisoju haben wir unterwegs getroffen und sind eine intensive Beziehung mit ihnen eingegangen. Freitag abend war Klubnacht im Nachbarviertel. 15$, 15 Klubs, 1 Freigetränk pro Klub. Das einzige Problem dabei war die Eintönigkeit der Musikrichtungen - zur Auswahl standen HipHop, Hiphop oder Hip-Hop. Koreaner stehen auf HipHop. Oder zumindest denken sie es sei cool und spielen es überall. Aber nach dem Abgreifen der Freigetränke und Rush-Hour-Metro-Feeling in diversen Schuppen wurden wir doch noch fündig und mit feinster elektronischer Musik belohnt!



Kommt bald wieder - morgen gibt es hier unseren lang angekündigten Reisebericht - erster Teil!
Annyònghi kyeseo!